Wem nützt die gegenwärtige Funktion des Koordinierungskreises von Attac?

29. März 2021, Persönliche Stellungnahme und Kritik zu der Arbeitsweise des KoKreises von Karl Kneisner

Am 22. März 2022 hatte eine Videokonferenz von Mitgliedern des Koordinierungskreises und der AG Gesundheit von Attac Hamburg stattgefunden. Zur Aussprache sollten die Differenzen folgender Themenbereiche kommen: 1. Kundgebung am 5. Februar 2022 und 2. Fünfte Videoveranstaltung der Reihe „Mut zu Zwischentönen“. Die Moderation hatte Sarah Nüdling.

Das gewählte Veranstaltungsformat hat sich nicht als hinreichend erwiesen, die bestehenden Kritiken am Vorgehen des Koordinierungskreis im Einzelnen darzulegen. In diesem Schreiben soll konkret 1. hinsichtlich des  Vorgehens des Koordinierungskreis und 2. seiner inhaltlichen Positionierung Stellung bezogen werden. Dabei wird exemplarisch Bezug genommen auf den Themenbereich „Fünfte Videoveranstaltung der Reihe Mut zu Zwischentönen“.

Vorgehen und Dialogverständnis des Koordinierungskreises

Noch in der Videokonferenz am 22. März 2022 behauptete der Koordinierungskreis, es habe hinsichtlich der aufgetretenen Probleme eine Kommunikation gegeben.

Die AG Gesundheit fragt sich, mit wem dieses stattgefunden haben soll – mit ihrer Gruppe nicht. Oder liegen verschiedene Einschätzungen zugrunde, was unter Kommunikation zu verstehen ist?

Im Einzelnen:

  • 22.10.2021 Anfrage vom NDR an Attac HH,
  • 23.10.2021 (Samstag) Stellungnahme vom Koordinierungskreis an Attac HH (ohne vorherige Rückkopplung mit dem Veranstalter AG Gesundheit), 
  • 26.10.2021 Pressemitteilung der Attac-Pressestelle gegenüber dem NDR (ohne vorherige Rückkopplung mit dem Veranstalter AG Gesundheit),
  • 26.10.2021 Kontakt der AG Gesundheit mit dem NDR,
  • 27.10.2021 Mail vom NDR an AG Gesundheit „…entschuldigen Sie, dass ich mich gestern noch nicht gemeldet habe. Ich werde Attac Hamburg nur mit einem Satz erwähnen („geht auf Distanz zu der Veranstaltungsreihe“), weil ich auch eine Stellungnahme von Attac Deutschland bekomme.“
  • 29.10.2021 Sendung auf NDR-Info mit Interview des Koordinierungskreises, der nicht einmal die AG Gesundheit von der geplanten Radiosendung informierte.

Ein derartiges Verständnis von Kommunikation des Koordinierungskreises ist zu kritisieren.

In einer gemeinsamen Erklärung grenzen sich die Veranstalter der 5. Veranstaltung der Reihe „Mut zu Zwischentönen“ vom Vorwurf „Verschwörungstheorie“, der gemeinsam vom Koordinierungskreis und dem NDR erhoben wurde, ab. Zur Erklärung der Veranstalter, hier können auch die NDR-Info Sendebeiträge gehört werden: https://attac.hamburg/2021/11/4383/

Unsolidarisches Verhalten gegenüber der AG Gesundheit – Nutzen haben nur die Regierenden

Wie die Chronologie der Daten [1] zeigt, war ein DIALOG offenbar nicht gewünscht. Es wird sich statt dessen verhalten, wie es zur Zeit häufig anzutreffen ist:

Kein Dialog mit den Betroffenen (AG Gesundheit), dafür bewertende  Erklärungen und Forderungen des Koordinierungskreises (Top-Down) auf der Basis von zugetragenen Informationen (Button-Up), die für die Betroffenen intransparent  und inhaltlich korrekturbedürftig sind.

Was für ein unsolidarisches Verhalten gegenüber der AG Gesundheit, die es noch nicht einmal wert war, nach ihrer Haltung und Bewertung befragt zu werden.

Seitens der Regierenden wurde Kritik an ihren Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gern pauschaliert verbunden mit Bewertungen wie Corona-Leugnung, Querdenken, Impfgegnerschaft oder Verschwörungstheorien sowie unsolidarischem Verhalten.

Dieses Vorgehen ist politisch zu erwarten, da durch derartige oft projektive Bewertungen, Entwicklung von politischem Widerstand  gehemmt werden soll. Auf derartiges Spalten der kritischen Widerstandsaktivitäten verstehen sich die Regierenden gut.  Wie des Öfteren  vergangene Attac-interne Diskussionen zeigten, begegnete nicht nur die AG Gesundheit dem weiter oben dargelegten Verhaltensmuster des Koordinierungskreises. Die in der Folge mit entstehenden Spaltungen lähmen die politischen Aktivitäten – sie nützen nur der Festigung der politischen Macht der Regierenden. War man von den Regierenden dafür funktionalisiert worden?

Inhaltliche Positionierungen

Die gemeinsame Erklärung der Veranstalter zu der 5. Veranstaltung der Reihe „Mut zu Zwischentönen“ reichte dem Koordinierungskreis nicht. https://attac.hamburg/2021/11/4383/

Die AG Gesundheit erhielt am 28.11.2021 ein Schreiben des Koordinierungskreises [2] mit der Anlage1 u. 2. [3]

Keine ausreichende Sorgfalt bei der Recherche durch den Koordinierungskreis

In diesem Schreiben vom  28.11.2021 antworte  der Koordinierungskreis der AG Gesundheit: „Wir würden die Sache gelassener sehen, wenn wir davon ausgehen könnten, dass die Veranstaltung ein einmaliger Ausrutscher war. Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass das Bündnis Mut zu Zwischentönen bereits zwei weitere Veranstaltungen plant, die inhaltlich in eine ähnliche Richtung weisen:“ [2]

Hier wird deutlich, dass ein Dialog mehr als vorteilshaft wäre. Diese Unterstellungen hätten vermieden werden können. Offenkundig sind die Aussagen von Informanten (welche?) nicht sorgfältig geprüft worden, oder es lag schlicht mangelhafte Recherche vor.

Die AG Gesundheit hatte mit den angesprochenen Veranstaltungen nichts mehr zu tun. Zur Historie: die AG Gesundheit ist nach der 5. Videoveranstaltung – wie auch alle anderen Mitveranstalter – aus dem Veranstaltungsbündnis mit dem Kreis der Aktiven von „Mut zu Zwischentönen“ ausgestiegen. Der Koordinierungskreis möge sich also wegen der Veranstaltungen an die Aktiven von „Mut zu Zwischentönen“ wenden. Die AG Gesundheit hatte mit der Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltungen nichts zu tun.

Was soll uns die vorgetragene Unterstellung sagen? Was für eine Potenz soll im Stil und der Wortwahl  Ausrutscher sich darstellen?

Zur fachlichen Kompetenz des Koordinierungskreises

Zur Anlage 1 des Koordinierungskreises. [3]

Vom Koordinierungskreis wird aus dem Text zitiert, der bei der Veranstaltung der AG Gesundheit verlesen wurde:

„Impfen, Impfen, Impfen ist das Mantra zur Bewältigung der Coronakrise. Ist diese Strategie angesichts von Neuinfektionen vollständig geimpfter Menschen womöglich genauso zum Scheitern verurteilt wie die Null-Covid-Strategie? Gibt es tatsächlich keine Alternative zu einer Impfung mit den neuartigen, gentechnologisch hergestellten Impfstoffen?“ https://attac.hamburg/2021/10/mut-zu-zwischentoenen-zur-5-online-veranstaltung/

Sodann folgende Sätze der AG Gesundheit werden ausgelassen, da sie nicht in den gewünschten Argumentationsstrang passen:

 „Nach 17 Monaten  Pandemie stehen in der EU nur zwei bedingt zugelassene Medikamente zur Verfügung.“

Hier wird konkret von der AG Gesundheit der Mangel angesprochen, nicht sofort auch in die Medikamentenentwicklung eingestiegen zu sein. Und danach werden im vorgetragenen Text der AG Gesundheit Ursachen der Entwicklung von Pandemien angesprochen:

„Infektionskrankheiten breiten sich in der Regel dann schnell aus, 

– wenn es innerhalb von tierischen oder menschlichen Populationen wegen neu auftretender Erregertypen noch keine entsprechende natürliche Immunabwehr der Individuen gibt oder

– wenn das Zusammenleben innerhalb einer Population sehr eng und für den Erreger klimatisch günstig ist, sodass er schnell von einem Wirt zum nächsten wechseln kann.“

Was ist an diesen Aussagen verwerflich? Sehr ähnliche Formulierungen finden sich im Attac Rundbrief 01/22 auf der Seite 01:

„Während umfassend über den Umgang mit der Corona-Pandemie debattiert wird, werden die Ursachen weitgehend ausgeblendet. Dabei ist der Versuch, die Bewältigung der Pandemie auf das Impfen zu beschränken, so, als würden höhere Deiche vor der Klimakrise retten.

Impfen ist wichtig, aber Zoonosen wie das Coronavirus verbreiten sich leichter, wenn natürliche Lebensräume zerstört werden.“ 

Warum hat der Koordinierungskreis die benannten Sätze aus dem Text der AG Gesundheit weggelassen?

Durch das Auslassen von Sätzen des Textes der AG Gesundheit lässt sich das Bild konstruieren, als ginge es der AG nur um das Impfen und um eine Gegnerschaft zum Impfen. Ist dies das Anliegen des Koordinierungskreises?

Im vorgetragen Text der AG Gesundheit heißt es: „Wenn Infektionserreger zu Mutationen neigen, können Impfungen mitunter zu einem Lotteriespiel werden. Trotzdem werden diese Impfungen auch als vorbeugendes Heilmittel angepriesen.“

Daraus leitet der Koordinierungskreis hinsichtlich Impfungen der AG Gesundheit die unterstellende Frage ab: „Sind sie also etwa kein vorbeugendes Heilmittel?“

Die AG Gesundheit war nie und ist keine Impfgegnerin und befürwortet Impfungen vulnerabler Menschen gegen Covid-19 als ein vorbeugendes Heilmittel.

Aber mehr Differenzierung darf bei dem Begriff „vorbeugendes Heilmittel“ schon sein. Ein „vorbeugendes Heilmittel“ ist die Corona-Impfung primär für vulnerable Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene aller Altersgruppen sowie ältere und arme Bevölkerungsgruppen wegen ihrer geschwächten Abwehrlage und dementsprechendem Risiko schwerer Erkrankung (Nutzen der Impfung [4]).

Gesundheitlich und politisch geht es auch um diese Zusammenhänge:

1. Die Zielsetzung, Schutz der Vulnerablen durch Herdenimmunität, ist angesichts der Ungleichheit in der globalen Verteilung von Impfstoff, der Verschiedenheiten der Lebensverhältnisse, der Armut und der Mutationsfähigkeit des Virus in sich zusammengebrochen.

2. Wer ist überhaupt vulnerabel? Diese Frage ist zunehmend in den Hintergrund getreten. Eine Influenza-Impfung (natürlich ist Covid-19 gefährlicher!) ist als vorbeugendes Heilmittel auch nicht für alle – Kinder und Jugendliche eingeschlossen – empfehlenswert, da eben nicht alle zu den Vulnerablen zählen.

3. Übertragungen der Erreger auf Vulnerable sind auch durch geimpfte Personen möglich.

4. Die Entwicklung und Entwicklungsperspektive von Mutanten werden zunehmend derart eingeschätzt, dass mildere Krankheitsverläufe nach Infektionen auftreten.

5. Eine Impfpflicht gegen Covid-19 kann als medizinisch notwendige Maßnahme politisch nicht hergeleitet werden kann. Selbst die lange angeführte Hospitalisierungsrate, die sich wegen der Kapazitäts- und Personalmängel in den Krankenhäusern auswirkt, kann wegen bestehender Medikationsmöglichkeit nicht angeführt werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass uns in Deutschland auch die Datenlage hinsichtlich der Impfkomplikationen unzureichend und intransparent ist. Forschungsergebnisse der Charité kommen zu Ergebnissen, die vergleichbaren europäischen Ländern entsprechen und nicht mit den RKI-Zahlen übereinstimmen.

https://www.ardmediathek.de/video/plusminus/die-sendung-vom-23-03-2022/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3BsdXNtaW51cy9iNzI5Y2Q3Ny1lNmQ4LTQ3NTMtYjg1My0xNzVmNDQ3MzYxMzc

6. Erforderlich ist ein Leben mit dem Virus, siehe WHO Erklärung vom 28. 12.2020 https://www.youtube.com/watch?v=hIcc_hWeOc8, sowie ein Schutz der Vulnerablen.

7. Statt die Nichtgeimpften zum Sündenbock für die Versorgungsproblematik in den Krankenhäusern zu machen [5], vermisst man Aussagen zur Reduzierung der Intensivbetten und zur Vorbeugung von Erkrankung: gesunde Arbeits- und Lebensverhältnisse. Zu diesen gehören auch nicht krankmachende Arbeitsbedingungen – erst recht in den Krankenhäusern und weiteren sogenannten systemrelevanten Wirtschaftsbereichen.

8. „Der Staat hat Schutzpflichten. Er muss das Leben und die Gesundheit seiner Bürger/-innen schützen. Statt sie vor den krankmachenden Arbeits- und Lebensbedingungen zu schützen, geschieht das Gegenteil: Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit soll durch die Impfpflicht eingeschränkt werden.“[5]

Es fehlt der Aufwand von finanziellen, alimentären, mobilitätsmäßigen und sozialen Mitteln: für in Armut lebende oder in Armut gestürzte Mitmenschen, die Gruppe unserer „Alten“ sowie unsere vulnerablen Mitmenschen. Ängste, Kontaktverbote und Isolation stärken nicht unser Immunsystem. Die bestehenden und erprobten Hygieneregeln für Familien mit Mitgliedern, die eine immunsuppressiven Erkrankung haben oder bei denen eine Organtransplantation vorgenommen wurde, brauchen eine Erweiterung in den sozialen Lebensraum.

9. Die desolaten Arbeitsbedingungen und der Personalmangel  in den Krankenhäusern sind bereits Jahre vor der Coronapandemie thematisiert. Selbst die Coronapandemie hat an den Verhältnissen nichts positiv verändert – im Gegenteil, die angeforderte Arbeitsleistung in den Krankenhäusern wurde erhöht, um der Hospitalisierungsrate begegnen zu können. Die Impfpflicht für diese Berufsgruppen dient wesentlich der Stabilisierung ihrer potentiellen Arbeitsleistung. Und von einer strukturellen Besserung der Arbeitsverhältnisse im Gesundheitswesen ist in der Öffentlichkeit keine Rede.

Wenn nun schon die Spaltung zwischen Geimpften und Ungeimpften politisch seitens der Regierenden eingesetzt wurde, sollte sich erst recht die Frage aufdrängen, welche weiteren Heilmittel gegen Hospitalisierungen bei Coronaerkrankungen außer Impfstoff hätten bereit gestellt werden müssen. Angesprochen wird hier der Themenbereich Medikamentenentwicklung.

Der Koordinierungskreis schreibt dazu:

„Was suggeriert das anderes als es wäre in den letzten Monaten nicht intensiv genug nach Medikamenten geforscht worden?“

Im vorgelesen Text der AG Gesundheit folgen vier Absätze, die sich konkret mit Medikamenten befassen. https://attac.hamburg/2021/10/mut-zu-zwischentoenen-zur-5-online-veranstaltung/

Allerdings scheint ja der Koordinierungskreis die Meinung zu vertreten, dass sich genug mit der Medikamentenentwicklung befasst wurde. Das sieht nicht nur die AG Gesundheit ganz anders. https://attac.hamburg/2021/12/impfpflicht-ausdruck-eines-erneuten-versagens-der-regierenden-im-umgang-mit-der-pandemie/

Aus dem Text:

 „Die Virologin Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff sagt: „Zu Beginn der Pandemie hat sich Deutschland sehr stark auf die Impfstoffe konzentriert, und die Medikamentenentwicklung nicht richtig vorangetrieben.“

Für Kai Gehrig, wissenschaftspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sei es völlig unverständlich, dass die Medikamentenentwicklung nicht von vornherein mit gleichem Einsatz wie die Impfstoffentwicklung unterstützt wurde. Während allein rund 740 Millionen Euro an drei deutsche Impfstoffhersteller flossen, erfolgte die Förderung der Coronamedikamente in Häppchen: Im März 2020 wurde ein erster Fördertopf über 45 Millionen Euro bereitgestellt, aufgestockt um 50 Millionen Euro Anfang 2021 und im Juni 2021 nochmals um 40 Millionen Euro. Im Mai 2021 wurde ein zweiter Fördertopf mit 300 Millionen Euro regierungsseitig beschlossen. „Der Grünen-Abgeordnete Gehring, Sprecher seiner Bundestagsfraktion für Forschung, kritisierte: ‚Mit einer beherzten Forschungsministerin hätte das angekündigte Programm bereits vor Monaten starten können, und erste Ergebnisse für die praktische Versorgung lägen womöglich schon vor.‘ Die angekündigten Mittel müssten nun schnell fließen. Nur so könnten ‚zumindest einige der forschungspolitischen Versäumnisse des letzten Jahres mit viel Verspätung ausgebügelt werden‘.“

Ganz offenkundig fehlen dem Koordinierungskreis hier diese fachlichen Informationen. Ein nachvollziehbarer Umstand, denn der Koordinierungskreis hat nicht den inhaltlichen Arbeitsschwerpunkt Gesundheit. – Ein Dialog hätte Abhilfe schaffen können.

Im Websitetext der AG Gesundheit heißt es weiter:„Durch die medikamentöse Behandlung von Covid-19 kann die Schwere der Erkrankung so weit gemindert werden, dass weniger stationäre Aufenthalte und intensivmedizinische Betreuungen nötig werden. „Paxlovid ist für Coronapatienten mit einem erhöhten Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs gedacht. Laut einer klinischen Studie senkte die Pille die Gefahr einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes um 89 Prozent.“ Anfang November 2021 „war Molnupiravir in Großbritannien als erstem Land weltweit zugelassen worden. Das Mittel verringert die Fähigkeit des Coronavirus, sich in den Körperzellen zu vermehren, und bremst damit die Weiterentwicklung von COVID-19 ab. Einer klinischen Studie des Herstellers Merck Sharp & Dohme zufolge halbiert Molnupiravir bei infizierten Patienten das Risiko einer Krankenhauseinlieferung und eines tödlichen Krankheitsverlaufs.“

„Die Europäische Kommission hat am 12.11.2021 die Zulassungen für die monoklonalen Antikörper Ronapreve (Casirivimab/Imdevimab) von Roche Registration GmbH sowie Regkirona (Regdanvimab) von Celltrion Healthcare Hungary Kft erteilt.“

Es würde sich gelohnt haben, auch den weiteren Websitetext gelesen zu haben, da die Problematik „Inzidenz und Hospitalisierung“ dort auch angesprochen wird.

Zur Anlage 2 des Koordinierungskreises. [3]

Es soll hier nicht wiederholt werden, welche Kritik von der AG Gesundheit an Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. M. Sc. Christian Schubert bereits dargelegt wurde (siehe https://attac.hamburg/2021/11/4383/).

Was sagt uns die Argumentation des Koordinierungskreises in seiner Mailanlage 2 vom 28.11.2021, wenn er zur Bewertung von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. M. Sc. Christian Schubert schreibt: „In der Wissenschaft ist er mit seinen Aussagen ziemlich isoliert“?

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. M. Sc. Christian Schubert befasst sich mit Psycho-Neuro-Immunologie und Gesundheit. Diese Themen werden nicht in der Mehrheitsgruppe der Forschenden bearbeitet. Daraus soll ein Qualität bewertendes Selektionskriterium gemacht werden?

Problem aktueller medizinischer Forschung ist, dass die staatlichen Forschungsmittel so drastisch gestrichen wurden, dass Fragestellungen, die zum Thema Gemeinwohl Gesundheit gehören, kaum noch eine Finanzierungsbasis haben.

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. M. Sc. Christian Schubert ist auch isoliert (neben der Kritik an seinen Aussagen) – wie andere – weil die finanziellen Forschungsmittel fehlen. Es ist kein Geheimnis, dass die Fokussierung der medizinischen Forschung auf den Begriff Krankheit und nicht auf Leben in Gesundheit zielt. Der Begriff Krankheit ist von wirtschaftlichen Interessen belegt. Die Branchengiganten Pharmaindustrie sowie medizinische Geräteindustrie sind die Hauptprofiteure. Aus diesen Wirtschaftsbereichen stammen wesentlich die Gelder der heutigen, durch Drittmittel finanzierten Forschung.

Am 28.11.2021 schrieb der Koordinierungskreis an die AG Gesundheit [2]: „In unserem Schreiben hatten wir euch gebeten, dass ihr euch nicht nur von diesen beiden Aussagen (Anmerkung der AG: gemeint ist Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. M. Sc. Christian Schubert), sondern von den Inhalten der Veranstaltung distanziert. Dies ist leider weder in dem an uns gerichteten Schreiben noch in der von euch mit euren Bündnispartner*innen verbreiteten Stellungnahme geschehen“.

Wieso wurde Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. M. Sc. Christian Schubert überhaupt von uns eingeladen? Er positioniert eine Auffassung von Gesundheit, die dringend zu erwähnen ist und die bei üblicher Fokussierung auf den Begriff Krankheit kaum bekannt ist. Es handelt sich dabei um wissenschaftlich global anerkannte Zusammenhänge, die universitär vermittelt und weiter erforscht werden.[6]

Konkret ist es für uns wichtig zu vermitteln, dass psycho-neuro-immunologischen Zusammenhänge Krankheitsentwicklungen beeinflussen. Insbesondere Angst und Panik schwächen die Abwehr – auch auf immunologischer Ebene. Dieser Umstand ist angesichts der vorliegenden Ängste vor einer Infektion an Covid-19 ein öffentlich zu vermittelnder medizinischer Zusammenhang. Die Bedeutung der Einschätzung von gesundheitlicher Gefährdung ging in Hinblick auf eine Infektion mit Covid-19 leider zunehmend verloren. Selbst nicht vulnerable Kinder und Jugendliche fürchteten massenhaft schließlich bei einer Infektion um ihre Gesundheit. Viele begaben sich in zusätzliche Isolation.

Angstfrei Opponierende hingegen feierten häufig „Infekt-Partys“, um sich als Genesene zertifizieren lassen zu können. Medial wurden diese Gruppen gern als Solidar-Schmarotzer und Konsumfetischisten bewertet.

Wenn dem Koordinierungskreis hier die medizinischen Zusammenhänge nicht bekannt waren, hätte sich gerade ein Dialog angeboten, wie sich diese wichtigen medizinischen Aspekte medial effektiver umsetzen ließen.

In diesem Kontext muss auch an die noch ausstehende Begleitung von vielen psychisch auffälligen Kinder und Jugendlichen und deren Eltern – ein Ergebnis der Coronapandemie – gedacht werden.

Zusammenfassung

Unerlässlich wäre ein Dialog mit der AG Gesundheit gewesen, um derartige Recherche-Pannen zu vermeiden.

Bei der Argumentation in der Anlage 1 werden von den Texten der AG Gesundheit Textpassagen ausgelassen, um projektiv zu der vom Koordinierungskreis gewünschten Aussage zu kommen. Diese journalistisch verbreitete Methode sollte in Attac keine Anwendung finden – schon gar nicht, wenn es um lösungsorientierte Kommunikation gehen soll .

Bei der Argumentation zu Medikamenten gegen Covid-19 Erkrankungen wird deutlich, dass ein Informationsbedarf vorliegt.

Dies ist nicht verwunderlich, da sich die AG Gesundheit ihrerseits speziell mit solchen Fragestellungen beschäftigt hat. Auch diese Mängel bei den fachlichen Darlegungen des Koordinierungskreises hätten sich im Dialog vermeiden lassen.

Die Beschränkung der Aktivität des Koordinierungskreises auf formales Jagen möglicher Abweichler von der Attac-Linie – hier vermutlich Coronaleugner, Impfgegner und Verschwörungstheorieanhänger – zeigt in der jetzigen Art einen Bedarf an neuer struktureller und funktioneller Gestaltung attac-interner Organisation auf.  

Es wurden bei der 5. Videoveranstaltung der Reihe „Mut zu Zwischentönen“ Fehler gemacht. Da es aber ohne Fehler keine Entwicklung gäbe, ist Handlungsabstinenz keine Lösung. Das Vermeiden möglicher Kontaktschuld erhält die scheinbar sauberen Hände, ist aber politisch kontraproduktiv, da die politischen Felder, die in der Kritik stehen, leider organisatorisch den Agierenden überlassen werden – z.B. den Regierenden oder der Rechten.

Da bereits zahlreiche Informationen in Mails zu der 5. Videoveranstaltung der Reihe „Mut zu Zwischentönen“ im Umlauf sind und auch der Koordinierungskreis sich bereits öffentlich geäußert hat, sollen zwecks Transparenz entgegen sonstiger Gewohnheiten die Anschreiben des Koordinierungskreises hier öffentlich gemacht werden.

[1] Zur Chronologie der NDR-Sendung.pdf

[2] Mail 2021-11-28 Brief vom Koordinierungskreis.pdf

[3] Mail 2021-11-28 Brief vom Koordinierungskreis-Anlagen.pdf

[4] https://attac.hamburg/2021/12/schutzimpfung-gegen-sars-cov-2-fuer-kinder-wer-hat-den-nutzen/

[5]  https://attac.hamburg/2022/03/coronaimpfpflicht-nuetzt-der-wirtschaft-aber-nicht-den-vulnerablen/

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoneuroimmunologie