Wir wollen alle wieder tanzen gehen!

Rede der AG Gesundheit auf einer Kundgebung am 5. Februar 2022 in Hamburg

Im Namen der Arbeitsgruppe Gesundheit von Attac Hamburg grüße ich euch. Ich bedanke mich für die Einladung zu dieser Kundgebung!

Regierungen, die den Hungertod von 24.000 Menschen – täglich – ignorieren,
Regierungen, die Geflüchtete nicht aufnehmen wollen, Klimaschutzmaßnahmen nicht anpacken,
Regierungen, die im eigenen Land die öffentlichen Dienste verkümmern lassen,
Regierungen, die es hinnehmen, dass Armut und schlechte Arbeitsbedingungen zum vorzeitigen Tod führen,
solche Regierungen hätten plötzlich ihr großes Herz für den „Schutz von Menschenleben“ entdeckt?

Wir stellen fest: Die Coronamaßnahmen haben – unnötigerweise – viel Leid verursacht. Eine Aufarbeitung tut not, unter anderem durch offene Debatten an runden Tischen in Kommunen und in öffentlich-rechtlichen Sendern.

Zu einer solchen Aufarbeitung gehört:

Erstens

Räume der Vernetzung und des Austausches sind zu schaffen, in denen von unten gemeinsam Strategien entwickelt werden, wie sowohl Gesundheitsschutz als auch öffentliches wie kulturelles Leben stattfinden kann.

Zweitens

Menschen in ärmeren Ländern wurden durch Lockdown-Maßnahmen besonders betroffen: Die Zahl der Hungernden ist 2020 stark gestiegen, bis zu 811 Millionen Menschen sind unterernährt. Weitere 100 Millionen Kinder sind in Armut abgerutscht. Jedes dritte Kleinkind ist mangelernährt. Wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen wird auch befürchtet, „dass sich die Zahl der Menschen, die an Malaria sterben, weltweit verdoppeln könnte“1.

Drittens

Wer arm ist, stirbt früher: In sozial benachteiligten Regionen Deutschlands lag die Sterblichkeit während der zweiten Coronawelle um „50 bis 70 Prozent höher als in Regionen mit geringer sozialer Benachteiligung“2.

Viele weitere Faktoren machen für Krankheiten anfälliger und verkürzen die Lebenserwartung um Jahre, unter anderem Umweltverschmutzungen aller Art, Stress durch Arbeit oder Arbeitslosigkeit, durch beengte Wohnverhältnisse – gar Obdachlosigkeit –, schlechtes Essen aus Geldmangel, aber auch die wegen Corona verordnete Isolation.

Lasst uns gemeinsam die Ausbeutung von Menschen und die Zerstörung der Lebensbedingungen auf der Erde stoppen!

Viertens

Das Ziel einer solidarischen Gesellschaft sollte sein, Krankheiten durch die Gewährleistung gesunder Lebensverhältnisse und durch Präventivmedizin zu vermeiden!

Aber stattdessen werden Impfstoffe als Allheilmittel gepriesen, zur Freude der Pharmakonzerne:

Die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna bringen pro Sekunde 1000 Dollar Gewinn.

Die Pharmakonzerne erzielten 1000 Milliarden Euro Profite in 20 Jahren. Mit Hilfe des Monopols durch Patente können die Preise fast nach Belieben festgesetzt werden. Die Folge: Mehr als zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten.

Wir fordern: Abschaffung der Patente auf Impfstoffe und Medikamente, denn: Die Ausrichtung einer Gesellschaft auf den Profit einzelner schadet der Gesundheit.

Fünftens

Eine Impfpflicht lehnen wir ab: Impfpflicht zum Beispiel bei Kinderlähmung entspricht hohen Normen, unter anderem dem 100%igen Schutz vor diesen Krankheiten. Wer aber gegen Covid geimpft ist, kann weiter angesteckt werden und ist selbst weiter ansteckend. Impfnebenwirkungen, Impfkomplikationen und Impfschäden werden in der Öffentlichkeit nicht transparent gemacht.

Firmen wie Pfizer/BioNTech ließen sich vertraglich von aller Haftung für Impfschäden befreien.

Jeder Mensch soll daher das Recht haben, Vor- und Nachteile abzuwägen und selbstständig zu entscheiden.

Sechstens

Die zunehmende Kommerzialisierung und Privatisierung in Verbindung mit der Kürzungspolitik hat zum Abbau der öffentlichen Gesundheitssysteme geführt. Schon 2018 fehlten in den deutschen Krankenhäusern ca. 80.000 Pflegekräfte. Das Pflegepersonal der Intensivstationen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf kritisiert die Überlastung, verschärft durch die zusätzlichen Aufgaben während der Coronapandemie.

Notwendig sind ein bedarfsgerechter Betreuungsschlüssel, zusätzliche Einstellungen, kürzere Arbeitszeiten, angemessene tarifliche Bezahlung.

Das Fallpauschalensystem (DRG) führt zu profitablen Spezialisierungen und belohnt vorzeitige sogenannte blutige Patientenentlassungen. Es muss abgeschafft werden.

Das Bündnis Klinikrettung skandalisiert die Schließung von 34 Krankenhäusern trotz des erhöhten Bettenbedarfs infolge der Pandemie.

Gute rekommunalisierte Krankenhäuser sind finanzierbar – indem große Vermögen gerecht besteuert werden und eine Bürgerkrankenversicherung im Umlageverfahren für ALLE eingerichtet wird!

1986 erklärte die Weltgesundheitsorganisation: Für ein gesundes Leben braucht man „Frieden, angemessene Wohnbedingungen, Bildung, Ernährung, Einkommen, ein stabiles Öko-System, eine sorgfältige Verwendung vorhandener Naturressourcen, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit“3.

Lasst uns dafür gemeinsam handeln und viele Menschen dafür gewinnen!

1 Der Freitag 50/21

2 Robert-Koch-Institut, 29. Oktober 2021

3 Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung

Siehe auch den Flyer Gesundheit für alle