Coronaschutzimpfungen für Kinder ohne gesicherte wissenschaftliche Grundlagen?

Ohne dass die Ständige Impfstoffkommission (STIKO) bisher eine Empfehlung bezüglich Coronaimpfungen für Kinder abgegeben hätte (Stand 8. Mai 2021), werden diese zuneh­mend gefordert und für notwendig erachtet. Anträge auf Zulassung von Impfstoffen stehen kurz bevor. In einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) vom 17. Februar 2021 zu Wirksamkeit und Einsatz der derzeit vorhandenen SARS-CoV-2-Impfstoffe in Deutschland heißt es im Zusammenhang mit Zulassungsstudien von Impfstoffen für Kinder:

BioNTech/Pfizer hat seinen Impfstoff von Anfang an für Jugendliche ab 16 Jahren getestet und zugelassen. Beide mRNA Impfstoff-Hersteller haben inzwischen Studien für Kinder ab 12 Jahren begonnen, BioNTech/Pfizer hat die entsprechende Studie mit ca. 2500 Kindern schon rekrutiert. AstraZeneca hat soeben verkündet, dass ab Ende Februar eine Kinder-Studie mit ca. 300 Kindern der Altergruppen 6-18 Jahre begonnen wird. Es ist also zu hof­fen, dass bis zum Sommer/Herbst mit Zulassungen für weitere pädiatrische Altersgruppen zu rechnen ist. Die genannten Programme zur Impfstoffentwicklung für Kinder werden von der DGPI ausdrücklich begrüßt. Die genannten Daten belegen, dass alle Impfstoffe eine sehr gute Wirksamkeit aufweisen und entsprechend der Empfehlungen gegeben werden sollten.“

Während die Abwägung des Risikos einer Impfung mit den neuartigen Impfstoffen mit zunehmendem Lebensalter und Vorerkrankungen zugunsten einer Impfung erfolgt, und dies trotz in vielerlei Hinsicht noch unklarer Datenlage vor allem bezüglich möglicher Lang­zeitfolgen, sollen bald auch Kinder und Jugendliche geimpft werden, obwohl nach Angaben von Prof. Klaus Stöhr in einer Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Bundestags-Unterausschusses COVID-19- Pandemie (Stand 20. Mai 2021)

  • Informationslücken zur Notwendigkeit der Kinderimpfung und einer Kontraindikation bestehen,
  • es keine „Herdenimmunität“ im klassischen Sinne geben wird,
  • Reinfektionen viel milder verlaufen werden,
  • eine Impfung, wenn überhaupt, sehr wahrscheinlich nur für besonders vulnerable Personen empfohlen wird.

Auch der Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. gibt Folgendes zu bedenken (Stand 6. Mai 2021):

„KINDER SIND DURCH COVID-19 DEUTLICH WENIGER GEFÄHRDET ALS ERWACHSENE

Kinder erkranken nur selten schwer an COVID-19, und noch seltener sterben sie daran. Evi­denzbasiert gibt es bei ihnen keine Risikogruppen für schwerere COVID-19-Verläufe. Von einer massenhaften Impfung würden nur ganz wenige einzelne Kinder profitieren – die Risi­ken jedoch tragen Millionen von ihnen.

KINDER SPIELEN FÜR DIE VERBREITUNG VON COVID-19 KEINE WESENTLICHE ROLLE

Das gilt auch für das ohnehin nur minimale Übertragungsrisiko in Schulen und Kitas – was sogar das Robert-Koch-Institut bestätigt. Eine Massenimpfung von Kindern und Jugendli­chen kann deshalb die Weiterverbreitung von COVID-19 nicht wesentlich verringern. Schu­len und Kitas können und müssen auch ohne Kinderimpfungen wieder geöffnet werden.

KINDER ZU IMPFEN WIRD DIE HERDENIMMUNITÄT NICHT FÖRDERN

Es ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar, ob COVID-19-Impfstoffe überhaupt zu einer nach­haltigen Herdenimmunität beitragen können. Selbst die optimistischsten Studien geben zu, dass durch die Impfung das Risiko, andere anzustecken, nicht einmal um die Hälfte verrin­gert wird – zu wenig, um eine Herdenimmunität durch die Impfung herbeizuführen. Außer­dem wissen wir derzeit nicht, wie lange eine Impf-Immunität überhaupt vorhält. Wir wissen auch nicht, gegen welche Mutationen von SARS-CoV-2 die derzeitigen Impfungen zuverläs­sig schützen.

KINDER SIND DURCH DIE NEBENWIRKUNGEN DER IMPFSTOFFE BESONDERS GEFÄHRDET

In allen bisherigen Studien zu den COVID-19-Impfstoffen betrafen die schweren und schwersten Nebenwirkungen vor allem jüngere Menschen. Mittel- und langfristige Impffol­gen sind zurzeit noch nicht abzuschätzen, ihr Risiko wiegt aber bei Kindern und Jugendli­chen besonders schwer. Die bisher begonnenen Impfstoff-Studien an Kindern und Jugendlichen sind viel zu klein, und ihre Beobachtungsdauer ist darüber hinaus viel zu kurz, um die bei Kindern und Jugendlichen besonders hohen Anforderungen an die Sicherheit der Impfstoffe zu erfüllen.“

In einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygie­ne (DGKH) zu Hospitalisierung und Sterblichkeit von Covid-19 bei Kindern in Deutschland (Stand April 2021) heißt es im Hinblick auf eine Risikobewertung:

„Jeder einzelne Fall eines schwer erkrankten oder verstorbenen Kindes an einer SARS-CoV-2-Infektion ist ein Fall zu viel und ein unerträgliches Einzelschicksal für Kind und Famil­ie. Die nun seit Beginn der Pandemie gemachte Beobachtung, dass von den schätzungsw­eise 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland nur etwa 1200 mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus (< 0,01%) behandelt werden mussten und 4 an ihrer Infek­tion verstarben (< 0.00002%), sollte Anlass sein, Eltern übergroße Sorgen vor einem schweren Krankheitsverlauf bei ihren Kindern zu nehmen.

In der Saison 2018/19 wurden nach Angaben des RKI insgesamt 7461 Kinder unter 14 Jahren mit Influenza als hospitali­siert gemeldet, 9 Kinder verstarben. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur lag im Jahr 2019 die Zahl der durch einen Verkehrsunfall getöteten Kinder bei 55, nach Angaben der DLRG die Zahl der ertrunkenen Kinder bei 25. Diese Zah­len sollen und dürfen keinesfalls gegeneinander aufgerechnet werden, mögen aber bei der Einordnung helfen.“

Warum Kinder und Jugendliche weitaus weniger erkranken, ist bis heute ungeklärt. Prof. Dr. Johannes Giese, Leiter des Bereichs pädiatrische Infektiologie und Immunologie am Univer­sitätsklinikum Würzburg, sagt dazu:

„Es ist überraschend, dass Infektionen bei Säuglingen und Kindern bisher so selten aufge­treten sind – gerade in Kitas, wo die Kinder so eng in Kontakt sind. Auch dort kam es bis jetzt nicht zu vielen und großen Ausbrüchen. Als Begründung gibt es verschiedene Hypothesen. Zum einen, dass der ACE2-Rezeptor, an den das Virus bindet, bei Kindern an der Schleimhaut weniger exprimiert (das Gen für den Rezeptor wird seltener abgelesen, weshalb weniger Rezeptorproteine in der Zelle gebaut und in der Zellmembran verankert werden; Anm. d. Red.) wird. Eine weitere Hypothese ist das Vorhandensein von Antikörpern gegen die klassischen Erkältungs-Corona-Viren, mit denen sich die Kinder alljährlich infizieren. Man geht davon aus, dass diese Antikörper eine gewisse Kreuzimmunität vermit­teln könnten. Die dritte Hypothese ist, dass bei Kindern das angeborenes Immunsystem der Schleimhaut sehr stark aktiv ist, was dazu führt, dass das Virus sehr schnell bekämpft wer­den kann, bevor es überhaupt zu einer richtigen Infektion kommen kann. Das könnte vor al­lem auf Kleinkinder zutreffen. Interessanterweise scheint es in Bezug auf die Anfälligkeit gegenüber dem Virus eine Altersgrenze von etwa zehn Jahren zu geben. Darüber erkrank­en Kinder beziehungsweise Jugendliche ähnlich häufig wie Erwachsene.“

Die Tatsache, dass ältere Menschen von Covid-19-Erkrankungen deutlich öfter betroffen sind als die Jüngeren, darf als mittlerweile hinreichend bekannt vorausgesetzt werden. Laut dem Online-Portal Statista waren 89 Prozent der „Coronatoten“ im Alter 70+ (Stand: 25. März 2021).

Wie die Statista-Grafik auf Basis von Zahlen des Robert Koch-Institus (RKI) zeigt, sind rund 89 Prozent der Personen, die im Zusammenhang mit dem Corona-Virus verstorben sind, zum Zeitpunkt des Todes älter als 69 Jahre gewesen. Den höchsten Anteil an allen Todesfällen seit Beginn der Pandemie gibt es mit 46,4 Prozent in der Altersgruppe von 80 bis 89 Jahren. Der Anteil der Todesfälle in der Altersspanne von 0 bis 49 Jahren beträgt lediglich 0,8 Prozent.“

Danach liegt der Anteil der an bzw. mit Covid-19 Verstorbenen bezogen auf die Gesamtanzahl der sogenannten Coronatoten in der Altersgruppe 0 bis 9 Jahre bei 0,01 Prozent, in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen beträgt dieser Anteil nur noch 0,004 Prozent. Trotz geringer Gefährdung für Kinder und Jugendliche, an Covid-19 zu er­kranken, werden nun folgende Begründungen für flächendeckende Impfungen angeführt:

  • angeblich sicherer Aufbau einer Herdenimmunität
  • (scheinbare?) gesellschaftliche Notwendigkeit, wie beispielhaft im Ärzteblatt (Ausga­be 5. Mai 2021) vom Bundesärztekammerpräsidenten ausgeführt: „Bundesarztekammerpräsident Klaus Reinhardt hat vor negativen Kollateraleffekten der Coronaeindämmungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche gewarnt. Es gehe dabei nicht nur um entstandene schulische Bildungsdefizite, sondern mehr noch dar­um, dass viele Kinder wichtige Entwicklungsphasen in sozialer Isolation erlebt hätten, sagte Reinhardt anlässlich des diesjährigen Ärztetags.

    In ihrer Generalaussprache auf dem Ärztetag hatten die Abgeordneten eine medizinisch-wissenschaftliche Evaluation aller Kollateraleffekte von Eindämmungs- und Schutzmaßnahmen im Hinblick auf den Zugang zur medizinischen Akutversorgung und zu notwendigen Vorsorgeleistungen sowie mögliche psychosoziale Auswirkungen des Lock­downs gefordert.

    Für die weitere Krisenbewältigung und zur Vorbereitung auf zukünftige pandemische Lagen sei die Entwicklung von Handlungsstrategien zur Vermeidung derartiger Kollateraleffekte unerlässlich.

    In einem weiteren Beschluss hat der Ärztetag die Bundesregierung aufgefordert, unverzügl­ich eine Covid-19-Impfstrategie für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Das Recht auf Bildung könne nur mit einer rechtzeitigen Coronaimpfung gesichert werden. Ohne rechtzeiti­ge Impfung, insbesondere auch für jüngere Kinder, führe ein erneuter Lockdown für diese Altersgruppe zu weiteren gravierenden negativen Folgen für die psychische Entwicklung.“

Diesem, angesichts der aktuellen Erkenntnislage in Frage zu stellenden, Narrativ folgt auch die mittlerweile zurückgetretene Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) mit der Forderung nach einer vorrangigen Impfung von Kindern und Jugendlichen. Dazu folgendes Zitat aus der Ärzte-Zeitung (Stand 14. Mai 2021):

„‚Sie müssen mit Vorrang ein Impfangebot bekommen, sobald der Impfstoff für sie zugelassen ist. Das sind wir Erwachsenen der jungen Generation schuldig‘“, sagte Giffey am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Kinder und Jugendliche hätten in der Pandemie auf vieles verzichtet, erklärte die Familienministerin. Die Bundesländer müssten nun zügig alles vorbereiten, um den drei Millionen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren schnell ein Angebot zu machen.“

Die hinsichtlich der Impfung von Kindern und Jugendlichen erhobenen Forderungen aus deutscher Ärzteschaft und Politik stehen auch in Widerspruch zu dem oftmals eben von diesen Kreisen erhobenen Postulat einer „Solidarität“ mit ärmeren Ländern. Die Weltgesundheitsorganisation appelliert gerade an die reichen Länder, Coronaimpfstoff an ärmere Länder zu spenden, statt jetzt damit die eigenen Kinder zu impfen:

„Der Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte bei einem virtuellen Treffen in Genf, zurzeit stünden nur 0,3 Prozent des globalen Angebots an Impfstoffen Ländern mit niedrigem Einkommen zur Verfügung. In vielen Ländern seien noch nicht einmal medizinisches Personal und Pflegekräfte gegen COVID-19 geschützt.

Er verstehe, warum manche Länder ihre Kinder und Jugendlichen impfen wollten. Zum jetzigen Zeitpunkt bitte er aber dringend, das zu überdenken, erklärte Tedros. Die Dosen sollten besser der Initiative Covax zur Verfügung gestellt werden. Die Initiative, an der die WHO führend beteiligt ist, strebt eine gerechte globale Verteilung von Impfstoffen an. Covax hat bisher 60 Millionen Impfdosen ausgeliefert. Die Initiative hat aber Schwierigkeiten, ihre Lieferziele zu erreichen, zum Teil wegen indischer Exportbeschränkungen für den AstraZeneca-Impfstoff.“

Resümee

Angesichts der noch nicht abzuschätzenden Risiken, die die neuartigen Impfungen vor allem für ein sich noch in der Entwicklung befindliches kindliches Immunsystem mit sich bringen, halten wir, die AG Gesundheit von Attac Hamburg, eine voreilige Impfentschei­dung für äußerst fragwürdig und riskant. Dies gilt umso mehr angesichts des nicht zu unter­schätzenden, auf Familien lastenden gesellschaftlichen Drucks, die Kinder aufgrund einer Gefahr der sozialen Ausgrenzung impfen zu lassen.

In einem mit „Was die Kinder-Impfpflicht für uns alle bedeuten würde“ betitelten Artikel der Welt vom 2. Mai 2021 heißt es:

„Angesichts der weiterhin deutlich geringeren Zahlen von Erkrankungen und schweren Krankheitsverläufen bei Kindern sind vielmehr aus der Kinder- und Jugendmedizin auch Stimmen zu vernehmen, die – wie Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Ju­gendmedizin der Universität Mainz und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) – das Impfen von Kindern als primär ‚fremdnützig‘ einstufen. ‚Fremdnütziges‘ Handeln mag oft geboten sein; ob sich aber eine Verpflichtung von Kindern auf den solidarischen Akt ei­nes ‚fremdnützigen‘ Impfens ethisch rechtfertigen lässt, muss fraglich erscheinen.“