Pflegeschule Groß-Sand muss bleiben!

Am 11. August 2020 fand eine von den Auszubildenden organisierte Demonstration für den Erhalt der Pflegeschule Groß-Sand am Bonifatiusplatz in Wilhelmsburg statt.

Neben den Auszubildenden erschienen zahlreiche Angehörige des Lehrkörpers, in Wilhelmsburg tätige Angehörige medizinischer Berufe, Wilhelmsburger Bürger*innen sowie Solidarität ausdrückende Organisationen und Bündnisse: Attac Hamburg, Die Linke, Hamburger Pflegebündnis und Offensiv.

Auf der Website der „Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Hamburg“ steht in den News:

„17.06.2020: Kooperation Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand und Klinik Helios Mariahilf ab 01.10.2020

Wir freuen uns Ihnen heute bekanntgeben zu dürfen, dass wir im Rahmen einer Kooperation ab dem 01.10.2020 die Schüler (m/w/d) des Krankenhauses Wilhelmsburg Groß-Sand und der Klinik Helios Mariahilf theoretisch ausbilden werden.“

Welche Ignoranz und Intransparenz! Niemand der Betroffenen in Wilhelmsburg wusste zu diesem Zeitpunkt von den Plänen zur Schließung der Krankenpflegeschule Groß-Sand. In den Redebeiträgen wurde das Entsetzen über das Vorgehen der Verwaltung der Pflegeschule deutlich: keine Kooperation mit dem Lehrkörper, keine Versuche gemeinsamer Problemlösung, kurzfristige Kündigung nach jahrzehntelanger Beschäftigung.

Was ist das Besondere an der Pflegeschule Groß-Sand?

Es handelt sich um ein niederschwelliges Angebot mit geringen Sprachbarrieren in einem Stadtteil, der einen hohen Anteil an Migrant*innen aufweist. Verglichen mit allen Pflegefachschulen Hamburgs ist der Anteil von Schüler*innen ohne deutsche Staatsangehörigkeit entsprechend hoch, die Abbruchquote ist vergleichsweise niedriger und die Erfolgsquote vergleichsweise deutlich höher. Diese Daten sprechen für eine besonders gelungene Integration und Bindung im Prozess des Lernens.

Wir brauchen nicht nur regionale stationäre Krankenversorgung, sondern auch ortsansässige Pflege, also Menschen, die sich in ihrem Wohnviertel auskennen. Und gerade jetzt, wo der Pflegemangel in aller Munde ist und Fachkräfte aus anderen Ländern „importiert“ werden – zum Schaden der dortigen Versorgung –, zeigt sich, wie wichtig ein Erhalt derartiger Ausbildungsstätten ist.

Der Hamburger Senat sagt: „Die Schulschließung ist eine unternehmerische Entscheidung des Trägers.“

Was steht einer Überführung dieser Schule in eine von Lehrer*innen, Schüler*innen und Mitbürger*innen in Selbstverwaltung betriebene Einrichtung entgegen? Die unternehmerische Freiheit endet dort, wo sie das Gemeinwohl beeinträchtigt. Wir brauchen multikulturell ausgerichtete, engagierte und qualifizierte Pfleger*innen.

Staatliche Eingriffe in die Eigentumsrechte von Privatpersonen zugunsten des Neu- und Ausbaus von Straßen sind gängige Praxis. Nun sollte der Senat auch im Bereich der Daseinsvorsorge aktiv werden und die Eigentumsfrage zugunsten der Gemeinnützigkeit lösen!

Petition gegen die Schließung der Pflegeschule Groß-Sand